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1 Tagvor
Julie von Bismarck - Equine Expertise

Noch einmal zur Erinnerung! Gerade gestern wieder einen tollen Reitlehrer getroffen (in Südafrika) der die Pferde ebenso in seiner Verantwortung sieht wie die Reitschüler. Selbiger hat die Besitzerin des Pferdes von ihrem eigenen Pferd absitzen lassen und ihr das Pferd abgenommen, was diese - wenn auch etwas perplex - befolgte. Dann musste sie das Pferd am langen Zügel um den Platz führen und dabei Fragen zum korrekten Umgang und Sitz sowie den Besonderheiten des Pferdes beantworten. Es war ihre erste Stunde bei dem Trainer und ich war absolut sicher, dass es keine zweite geben würde.
Zu meinem Erstaunen war das Gegenteil der Fall: sie bedankte sich ausführlich dafür, dass der Reitlehrer sie auf ihre Ungerechtigkeit hingewiesen hatte und für die Lektion sowie das nebenher vermittelte Wissen und betonte wie sehr sie sich auf die nächste Stunde freue. Wie sehr ich mich freue, immer wieder solche Reitlehrer treffen, die tatsächlich noch im Sinne des Pferdes und nicht "im Sinne des Reitschülers" arbeiten.

Es gibt sie noch, die guten Reitlehrer von früher!

Gestern kam ich zufällig auf einen Reitplatz, auf dem gerade eine Gruppe Kinder unterrichtet wurde. Nichts Besonderes, könnte man meinen – aber ich war wie vom Donner gerührt.
Denn: dort passierte gerade etwas, das ich schon sehr, sehr lange nicht mehr auf diese Weise irgendwo im Reitunterricht erlebt habe.
Die Reitlehrerin, C. von Barby, war gerade dabei, eine ihrer Schülerinnen streng zurecht zu weisen. Ruhig, aber in einem Ton der keine Widerrede duldete, sagte sie wörtlich: „Ich habe es dir eben gerade schon einmal erklärt: wenn du das mit einer Katze oder einem Hund machen würdest, was du mit deinem Pferd machst, würde das Tier aufjaulen und dich beißen. Dein Pferd kann nicht Schreien und obwohl du ihm weh tust ist es zu freundlich, um sich zu wehren. Die Verantwortung im Umgang mit einem stummen und sanftmütigen Tier wie dem Pferd ist also noch viel größer, weil es nicht sagen kann, dass ihm etwas weh tut und es sich so viel gefallen lässt ohne sich zu wehren. Wenn du das nicht verstehst hast du auf dem Pferd nichts zu suchen. Und wenn ich noch ein einziges Mal sehe, dass du grob zu ihm bist oder du ihm noch einmal im Maul herumziehst, dann war es das für dich mit dem Reiten - dann steigst du ab!“
Auf meinem Gesicht erschien ein glückliches Strahlen und ich hielt gespannt die Luft an, in Erwartung dessen was nun folgen würde. Ich starrte zu der Mutter des Kindes hinüber, welche am Rand des Platzes alles mitbekommen hatte.
Leise zählte ich hinunter: drei, zwei, eins – und los. Wie auf Kommando war die Mutter aufgesprungen und ging wie eine Furie auf die Reitlehrerin los.
Das sei immer noch ihr Pferd, rief sie schäumend vor Wut, was ihr einfiele, so mit ihrer Tochter umzuspringen, ihre Aufgabe sei es einzig und allein dem Kind das Reiten beizubringen.
Die Reitlehrerin blieb ruhig und freundlich.
„Richtig“, sagte sie bestimmt. „Und währenddessen habe ich die Verantwortung für das Wohl der Pferde und der Kinder in meinem Unterricht. Darüber hinaus muss ein Reiter zuallererst lernen, dass das Wohl des Pferdes immer an erster Stelle steht. Ihre Tochter hat dem Pferd wiederholt im Maul herumgerissen - obwohl ich ihr in aller Ruhe erklärt habe, dass sie dem Pferd damit Unrecht tut und Schmerzen zufügt. Wenn sie dieses simple Prinzip nicht verstehen kann, sollte sie auch nicht reiten.“

Die Mutter sah aus, als wolle sie die Reitlehrerin umbringen.
„Wenn Sie unbedingt Kunden vergraulen wollen war das genau die richtige Maßnahme“, zischte sie schneeweiß vor Wut.
Frau v. Barby zuckte mit den Schultern und entgegnete freundlich: „Wie ich schon sagte, ich habe die Verantwortung für meine Reitschüler und alle Pferde in meinem Unterricht. Es ist daher meine Pflicht den Kindern von Beginn an die Regeln der Reiterei beizubringen – und Regel Nummer eins ist: dem Pferd wird nicht wehgetan. Wenn Sie meinen, das gehöre nicht in den Reitunterricht dann kann ich das wohl nicht ändern.“
Der Mutter schien das etwas unangenehm zu werden, vielleicht auch weil die anderen Mütter daneben saßen, jedenfalls setzte sie sich wieder hin und sagte beleidigt: „Na, Sie wissen ja sicher am besten, wie man Reitunterricht gibt…“
Ich schlug mir kopfschüttelnd die Hand vor die Stirn und mir wurde plötzlich noch einmal deutlich, wie frustrierend der Job als Reitlehrer in der heutigen Zeit vielfach sein muss.
Es wäre ja früher niemandem eingefallen, den (Reit-)Lehrer derartig anzugehen und mit Kündigung des Unterrichts zu drohen, nur weil das eigene Kind freundlich aber bestimmt zurechtgewiesen wird.
Genau deshalb sieht man wohl vielerorts nur noch „Reitunterricht“ in dem die Kinder so gut wie nichts von dem lernen, was ein echter Reiter wissen sollte: weil die Reitlehrer den Konflikt mit Kindern und Eltern scheuen und dann lieber darauf verzichten.
Leider ist das aber eine neue Generation von Reitern, die wieder nicht lernt, wie sich ein echter Reiter zu verhalten hat und diese Reitlehrer haben offenbar nicht verstanden, dass das Wohl aller Pferde und Schüler in ihrem Unterricht in ihrer Verantwortung liegt.
Über diese kleine Situation habe ich mich daher gefreut wie ein Schneekönig. Ich hoffe, es ist ein Vorbild für viele andere Reitlehrer!
Und: dieses Erlebnis war eine hervorragende Motivation, um mich noch intensiver an die Arbeit zu meinem neuen Buch zu machen - es fehlt an verständlichen und einleuchtenden Anleitungen wie man es richtig macht. Das kommt nun demnächst von mir und bis dahin gerne noch einmal nachlesen, warum die Erziehung des Reiters so wichtig ist und welche enormen Auswirkungen vermeintliche Kleinigkeiten auf das Pferd haben können: https://www.bod.de/buchshop/catalogsearch/result/?q=zusammenhänge+im+pferd
In diesem Sinne, Ihre Julie von Bismarck

PS: Das muss man ja leider heute bei FB immer dazu schreiben: Wie immer geht es mir hier um die Sache und nicht um Personen und ... Sehen Sie mehr

3 Tagevor

Auszug aus „Zusammenhänge im Pferd“:

„Warum wird man den Tierarzt nicht mehr los, wenn er einmal auf dem Hof war?

Es ist ein Phänomen, welches wahrscheinlich fast jedem Reiter / Pferdebesitzer bekannt ist und ich selbst hörte diesen Ausspruch bereits von den Pferdebesitzern meiner Kindheit.
Meine Großmutter hatte für die Redensart nicht viel übrig, glaube ich, und bei ihren Pferden war es, bis auf eines, interessanter Weise auch nie so, aber bei den anderen Pferdehaltern und Reitern in unserer Umgebung sehr wohl.

Die Pferde hatten über Jahre nichts, gar nichts.
Nicht einmal ein Hufgeschwür.
Und dann bekamen sie eines Tages einen Atemwegsinfekt oder eine Kolik, zogen sich eine Sehnenzerrung oder eine Griffelbeinfraktur zu und erholten sich nie wieder richtig.
Ab dem ersten Besuch des Tierarztes sah man ihn von da an tatsächlich mehrmals wöchentlich / monatlich wieder auf denselben Hof rollen.
Und zwar nicht, weil er sich bereichern wollte oder schlechte Arbeit machte, sondern weil die betreffenden Pferde vom Zeitpunkt der ersten Erkrankung / Verletzung an, wirklich immer wieder „irgend etwas hatten“.

Was mich dabei am meisten beschäftigte war der Fakt, dass die Anlässe wegen derer der Tierarzt immer wieder kommen musste meistens überhaupt nichts mehr mit der ursprünglichen Angelegenheit zu tun hatten:

Ein Pferd, welches eine Kolik gehabt hatte war plötzlich einige Wochen später hinten lahm. Ein anderes kam beim Wälzen nicht mehr herum und hatte auf einmal Schwierigkeiten in den Seitengängen.
Ein zuvor allerliebstes, rittiges Pferd, welches sich einfach nur vertreten und eine Sehne im Vorderbein gezerrt hatte, wehrte sich plötzlich beim Reiten gegen den Zügel, riss den Kopf hoch und begann zu steigen - wohlgemerkt nachdem es monatelang Pause gehabt hatte und die Sehne komplett verheilt und schmerzlos war. Kurz darauf war es auf dem anderen Vorderbein lahm.
Ein Pferd, welches ein etwas hartnäckigeres Hufgeschwür im Hinterhuf gehabt hatte, wollte nach dem kompletten Ausheilen desselben plötzlich auf der einen Hand nicht mehr angaloppieren und sackte in den Übergängen vom Galopp in den Trab und vom Trab zum Schritt mit der Hinterhand weg, einige Zeit später war es auf dem gesunden Hinterbein lahm.
Ein anderes Pferd hatte nach einem Husten, welcher früh behandelt worden und ausgeheilt war, plötzlich keine Elastizität mehr, schwang nicht mehr über den Rücken und stolperte viel, manchmal hatte es Taktstörungen. Und es bekam von da an alle paar Wochen wieder einen Infekt der Atemwege.
Solche Beispiele könnte ich zu hunderten aufzählen.
Die Besitzer und Tierärzte schienen ratlos, man behandelte weiter die jeweils akuten Symptome bis zu deren Abheilung, aber es kam immer wieder etwas Neues hinzu.
Für mich war es eines der größten Rätsel der Pferdewelt.

Sie können sich daher vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich Zusammenhänge fand, die den weitaus größten Teil dieser Verkettungen erklärten.“

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5 Tagevor

Put sound on! Sending some african vibes and happiness to you all! Have a wonderful weekend! 🙏 #africa #happiness

6 Tagevor
Julie von Bismarck - Equine Expertise

Habe ich zwar schon vor längerer Zeit geschrieben, ist aber immer noch aktuell...

„Der Dressursport“ fühlt sich "angefeindet“ und versteht überhaupt nicht, warum er so im Mittelpunkt der Kritik steht. - Erst die "Tierschützer", dann die "Besserwisser" (ich zum Beispiel), nun auch noch "die Presse" (der WDR). Nunja...
Was soll ich sagen, vielleicht wäre es schon einmal ein erster Schritt in die richtige Richtung, wenn man realisieren würde, dass es „der Dressursport“ selber ist, der sich demontiert. Niemand sonst. Es ist doch ganz einfach:
Erst wurden Zwangsmaßnahmen wie „Rollkur“ und „LDR“, mit denen in den schwersten Dressurprüfungen startende Reiter offenbar ihr mangelndes reiterliches Können und die fehlende, gründliche, Jahre dauernde Ausbildung ihrer Pferde zu kompensieren suchen, von den wichtigsten Pferdesportverbänden ganz unumwunden zu anerkannten „Trainingsmethoden“ erklärt.
Nun werden jene Lektionen, die eben diese fundierte, gründliche Ausbildung von Reiter und Pferd überprüfen sollen (jetzt gerade steht das Rückwärtsrichten auf der Liste), kurzerhand aus den schwersten Dressurprüfungen herausgestrichen. Weil die dort startenden Reiter sie nur noch unter größten Schwierigkeiten (oder gar nicht mehr) zeigen können.
Im Umkehrschluss bedeutet das doch:
Wer es einmal in LK1 geschafft hat, kann erfolgreich alle bedeutenden Turniere der Welt bestreiten, denn in der schwierigsten Klasse sind Zwangsmaßnahmen zur Kompensation der eigenen reiterlichen Fähigkeiten, nicht vorhandene Losgelassenheit und Durchlässigkeit, sowie erzwungene Bewegungen unter Hochspannung nicht nur vollkommen legitim, sondern werden auch mit Höchstnoten belohnt.
Es kann doch im Ernst niemanden, der sich einmal mit dem Wesen des Pferdes auseinander gesetzt hat, verwundern, dass eine solche Art von „Dressurreiten“ sich selber zerstört.
Wenn der „Dressursport“ nicht kritisiert werden möchte, ist es vielleicht an der Zeit, dass er sich einmal mit seiner Herkunft auseinandersetzt.
Erstens: „Dressurreiten“ ist ursprünglich keine eigene Disziplin. Die Inhalte der dressurmäßigen Arbeit wurden dazu erdacht, die Gesunderhaltung des Pferdes zu gewährleisten. Wie alle sinnvollen Ausbildungsvorschriften für Reiter und Pferd wurden auch diese bei den berittenen Soldaten entwickelt. Dressurreiten war also ein Trainingszweck:
Es diente der Gymnastizierung des Pferdes, um es für die wirklich schwierigen Anforderungen im Feld bestmöglich vorzubereiten und zu kräftigen.
Der größere Teil der Ausbildung von Reiter und Pferd spielte sich im Gelände ab, wo Fähigkeiten wie Ausdauer, Mut, Sprungkraft, Trittsicherheit und Vertrauen von Reiter und Pferd in geduldiger, durchdachter, sorgsam aufeinander aufgebauter Arbeit geschult wurden.

(Manchmal wünschte ich, einige der alten Ausbilder der Kavallerie würden sich auf den internationalen Turnierplätzen einfinden, zum Beispiel als Richter an den Abreiteplätzen. Es würden nicht viele Reiter auf ihren Pferden sitzen bleiben dürfen und der donnernde Anpfiff, der dem Verweis vorausginge und beispielsweise durch die Soers rollen würde, würde sich so manchem „Reiter“ derart einprägen, dass er das Reiten an den Nagel hängen würde.)

Jeder „Dressurreiter“ müsste also mindestens in gleichem Maße im Gelände trainieren, um ein mental und körperlich gesunderhaltendes und forderndes Training für sich und sein Pferd zu gewährleisten.
Die Wirklichkeit sieht aber sehr viel eher so aus: Mit der Aufweichung der alten Regeln zur Ausbildung von Reiter und Pferd (zu langwierig, zu schwierig, zu teuer, zu viel Arbeit) gab es plötzlich die Möglichkeit, ausschliesslich „Dressur“ zu reiten. „Dressur“ bedeutete plötzlich, man musste nicht mehr echter Reiter sein, um Reiter zu sein (also auch querfeldein reiten bei Wind und Wetter) sondern man konnte auf sanften Rössern in der Halle am Spiegel vorbei reiten und „Lektionen üben“. Es war ungefährlich und komfortabel und von jedem zu bedienen, also wuchs diese Gruppe stetig. Eine Gruppe von „Reitern“ somit, die sehr wahrscheinlich zum großen Teil in ihrem Leben noch nie einen Sprung gemacht haben oder querfeldein, bergauf, bergab oder durch Wasser galoppiert sind. Die daher natürlich nicht die vielseitigste Ausbildung und somit auch nicht das bestmögliche reiterliche Geschick und Können besitzen.
Ich vermute, dass dort wohl die Notwendigkeit entstanden ist, das Pferd mit Zwangsmaßnahmen gefügig zu machen und zu unterwerfen - anders ist so etwas ja gar nicht zu erklären.
Was uns wieder zu der Herkunft der Dressur bringt:
Dressurreiten diente zweitens nämlich ausserdem dazu, die Abstimmung zwischen Reiter und Pferd zu verfeinern. Wenn man vom Pferd aus kämpfen will, wird das Reiten selbst wohl eine Nebensache und die Hilfen müssen quasi per Gedanken auf den Partner Pferd übertragbar sein.

Dieses feine Reiten durch Gedankenübertragung mit unsichtbaren Hilfen ist nun nicht unbedingt das, an was man heute beim Anblick ... Sehen Sie mehr

1 Wochevor
Chronik-Fotos

And now I start working on my new novel. Horses will be in it (of course!). Wish me luck! #writinganewbook #novelthistime #happyendguaranteed #writer #author #books #storiestotell #loveanimals #lovehorses #lovelove

1 Wochevor

Einfacher für den Reiter, schmerzhafter für das Pferd…

Es ist ja normalerweise nicht mein Metier da ich eher in der klassischen englischen Reiterei zu Hause bin (in der mit den alten Regeln und Traditionen die das Pferdewohl an die erste Stelle stellen und den Reiter dafür verantwortlich machen dies zu garantieren), aber am Wochenende habe ich einem Horsemanship-Trainer bei der Arbeit zugesehen und es war ein sehr bezeichnendes Beispiel für das Ausmaß des Leides das Pferden zugefügt wird, weil ihre Besitzer/Reiter sich das Leben erleichtern wollen.
Und da ich noch dazu gerade vor ein paar Wochen Zeuge werden musste wie ein Pferd nach einem anderen solchen „Training“ an einer stressbedingten Kolik eingegangen ist, möchte ich ein paar Worte dazu schreiben.

Um das vorwegzunehmen: Es gibt eine Menge Trainer die unter dem Label Horsemanship hervorragende Arbeit leisten, aber dieser gehörte nicht dazu und soll als Beispiel dienen, um meinen Punkt zu verdeutlichen.
Es waren zu dieser Veranstaltung neben den vielen Zuschauern mehrere Damen mit ihren „Problempferden“ angereist, um dem Trainer dabei zu zusehen "wie man es richtig macht"- und vermutlich in der Hoffnung, anschließend mit einem folgsamen, braven Pferd wieder nach Hause zu fahren.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: keines der anwesenden Pferde war „problematisch“, alle Pferde aber waren zutiefst verunsichert und einige von ihnen in einem solchen Ausmaß, dass sie bereits dazu übergegangen waren, erst einmal alles in ihrem Umfeld als potenzielle Gefahr einzuordnen.

Der Trainer übernahm nun ein Pferd nach dem anderen, führte es an einem dünnen, reißfesten Nylon-Knotenhalfter an dessen Unterseite ein langes, schweres Seil angebracht war in die Mitte des viel zu tiefen Sandplatzes (zumindest, wenn man ein Pferd trainieren möchte ohne dabei einen Sehnenschaden herbei zu führen) auf welchem die Demonstration stattfand und begann das immer gleiche Prozedere. Zwei der Pferde hielten bereits permanent den Kopf schief, um dem schmerzhaften Druck der einschneidenden Schnüre und harten Knoten in ihrem Gesicht zu entkommen (was natürlich nicht gelang und von den Besitzern und dem Trainer unbemerkt zu bleiben schien).
Das Prozedere ging so: Zunächst jagte er das Pferd von sich weg, in dem er das Ende des schweren Strickes durch die Luft wirbelte und, wenn das Pferd dies nicht vorher geahnt hatte, selbigem mit Wucht an den Bauch, die Flanken, auf die Kruppe, an den Kopf oder Hals schlug, je nachdem was gerade in seiner Reichweite war.
Wenn das Pferd (und wie gesagt alle Pferde dort waren bereits hochgradig verunsichert) dann sein Heil in der Flucht suchte und keuchend so schnell es konnte, beide Hinterfüße gleichzeitig aufsetzend in einem engen Kreis um ihn herum durch den tiefen Sand galoppierte, rief der Mann triumphierend:
„Jetzt haben wir ihn da wo wir ihn haben wollen!“ und hängte sich mit seinem vollen Gewicht in das Seil während er gleichzeitig so stark wie möglich daran ruckte.
Und dann noch einmal und noch einmal.
Selbst wenn das Pferd schon stöhnend angehalten hatte gab er noch einmal einen kräftigen Ruck auf die dünnen Schnüre und die steinharten Knoten auf den Kopf, die Kopfgelenke (Genick) und das Gesicht des Pferdes.
Dabei lachte er zufrieden und begann dann das inzwischen nicht mehr nur verunsicherte, sondern durch Schmerz und den getriggerten Fluchtreiz extrem gestresste Pferd durch weiteres Wirbeln des Taues rückwärts rennen zu lassen und es nach etwa 15 Metern zum Stehen zu bringen.

Das ging so etwa 10-15 Minuten pro Pferd und wenn das völlig erschöpfte Tier dann mit gesenktem Kopf in der Mitte stehen blieb und beschwichtigend zu kauen versuchte während es schwer pumpend nach Luft rang, erklärte der Trainer stolz wie essentiell diese Art der Arbeit sei, um einen möglichst einfachen Umgang mit dem Pferd zu erreichen.
Zwei der Tiere bluteten in Gesicht und Genick, wo die Schnüre und Knoten offenbar Verletzungen hervorgerufen hatten. Als eine der Teilnehmerinnen kleinlaut auf die blutigen Stellen hinwies und fragte, ob man denn nicht auch ein weicheres Stallhalfter nutzen könnte, sah der Mann sie mit einer Verachtung an, die einem eine Gänsehaut über den Rücken schickte und erklärte mit einer solchen Eiseskälte, dass mir das Blut gefror: ein Knotenhalfter sei absolut unverzichtbar für diese Art der Arbeit, denn nur durch die „präzise“ und scharfe Einwirkung könnte man die „Hilfen“ derart „verfeinern“, dass das Pferd zu jeder Zeit unkompliziert und leicht zu kontrollieren sei und, wie er es nannte: „auf kleinste Zeichen reagiert“ – und das sei nun einmal das Ziel.
Die anderen Teilnehmerinnen nickten zustimmend und versicherten der todunglücklich aussehenden Fragenstellerin, dass das Knotenhalfter ja auch immer nur so scharf sei wie die Hand die es führte, dass Pferde auch durch ein scheuerndes Stallhalfter oder Sporen bluten könnten und ... Sehen Sie mehr

3 Wochenvor

Ich schreibe ja immer viel zu dem Thema zu fest verschnallter Nasenriemen. Nun kam mir dieses Bild gerade zufällig wieder vor Augen und mir fiel auf, dass ich dazu noch etwas ergänzen sollte:
Selbst wenn man den Nasenriemens/das Reithalfter komplett weglässt ist dies keine Garantie für pferdefreundliches Reiten.
Ein Reiter, der zwar auf den Nasenriemen verzichtet, aber mangels Können in der (in diesem Falle) Westernkandare hängt und nur mit grober Kraft und scharfem Gebiss sein Pferd zu steuern und mit ihm zu "kommunizieren" in der Lage ist, kann seinem Pferd genauso viel oder sogar mehr Schaden zufügen als jemand, der dem armen Tier vorsorglich schon mal das Maul zuschnürt.
Beides ist letztlich nur der Versuch, mangelhaftes reiterliches Können und mangelhafte Ausbildung des Pferdes durch Ausrüstung zu kompensieren.
Ein guter Reiter zeichnet sich dadurch aus, dass er seiner eigenen Ausbildung und der seines Pferdes die größtmögliche Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zukommen lässt, dass er in der Lage ist sein Pferd mit einer normalen Wassertrense, mit oder ohne Nasenriemen oder auch gebisslos -ohne Hebelwirkung!-, in allen Lektionen sowie im Gelände reiten zu können.
Ausrüstung ist kein Ersatz für Ausbildung. Weder für die Ausbildung des Reiters noch für die des Pferdes.

Da ja inzwischen viele Reiter glauben, das Ausschnallen des Nasenriemens sei "die höchste Form der pferdefreundlichen Reiterei" sollte man vielleicht einmal hinzufügen: Das stimmt leider nicht immer.
Das sieht man auf dem Beispielbild, es gilt aber genauso für jemanden, der zwar ohne Nasenriemen und mit normalem Trensengebiss, aber auf weggedrücktem Pferderücken unterwegs ist, bei dem der Sattel nicht passt oder der Reiter zu groß/zu schwer ist, er unbalanciert/schief sitzt oder der nicht in der Lage ist das Pferd gesunderhaltend über den Rücken zu reiten.
In jedem dieser Fälle nimmt das Pferd Schaden, auch wenn der Reiter bewusst dem Pferd zu liebe auf einen (zugeschnürten) Nasenriemen verzichtet hat.
Die vorschriftsmäßige Verschnallung des Reithalfters oder das Weglassen desselben ist selbstverständlich lobenswert und ein Schritt in die richtige Richtung - es ist nur eben keine Garantie für pferdefreundliches Reiten.

Julie von Bismarck

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3 Wochenvor

Auszug aus "Mit dem Pferd statt auf dem Pferd" :

"Es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der größte Teil der Blockaden, Verletzungen, Erkrankungen und Schäden die ich während meiner Tätigkeit als Pferdeosteopathin zu sehen bekam, durch eine vollkommen übertriebene Einwirkung auf den Kopf des Pferdes entstanden war. Sei dies durch Zügel, Gebisse, gebisslose Zäumungen, Halfter mit Schmerzeinwirkung, Führketten oder ähnliches.
Die unter heutigen Reitern und Pferdebesitzern offenbar extrem verbreitete Angst vor Kontrollverlust ist somit einer der Hauptgründe für Schmerzen und Schaden im Pferd. Denn Kontrolle scheint für die meisten Reiter darüber garantiert zu sein, dass sie auf Kopf, Gesicht und Maul des Pferdes einwirken. Je „schwieriger“ das Pferd, desto schmerzhafter die verwendete Ausrüstung und desto mehr Zwangsmaßnahmen wie Rollkur/LDR und dergleichen werden angewandt.
Mit schlimmen Folgen für die Pferde."
Hier findet ihr Übungen für mehr Vertrauen und feinere Kommunikation mit euren Pferden:
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Viel Freude beim Ausprobieren! 💕🐴

4 Wochenvor

Selbstverständnis und Vertrauen.

Das auf dem Bild könnte ich in dem gleichen Alter gewesen sein – wenn auch barfuß.
Es gab nie etwas Tröstlicheres für mich, als mich nach einem nervigen Schultag, einem Streit mit den Eltern oder weil ich mich fühlte, als verstünde mich niemand, an einem Sommerabend mit Halfter und Strick auf das Pony zu schwingen das mich fröhlich schnaubend begrüßte und das mit diesem einen Schnauben bereits einen großen Teil meiner Sorgen davon pustete. (Daran hat sich, nebenbei bemerkt, bis heute nichts geändert.)

Ich brauchte mir dafür keine Klebereithosen und Lackstiefel mit Strass anzuziehen, keinen 8 Punkt - Sicherheits - Spezialhelm aufzusetzen und keine Airbag - Weste anzulegen, in der ich mich keinen Millimeter hätte rühren können. Ich brauchte das Pony auch nicht viermal zu bandagieren und ihm farblich passende Fliegenohren aufzusetzen, ich brauchte keinen Sattel und keine zu den Lack-Strass-Stiefeln passende Trense mit dem 300 Euro Spezial Gebiss.
Ich brauchte gar nichts.
Ich streifte dem Pony einfach sein ganz normales Stallhalfter über, hängte den Führstrick vom Mittelring in den linken Seitenring, knotete ihn auf der rechten Seite fest und schwang mich barfuß und in kurzen Hosen von einem Zaun, Baumstumpf oder Stein aus auf seinen Rücken. Ich hatte nämlich auch keinen umfallsicheren Spezial-Tritt zum Aufsteigen.
Kaum saß ich auf dem Pferd durchströmte mich die größte Ruhe. Ich spürte die Wärme des Pferderückens und jede noch so kleine Bewegung unter mir - jedes Zucken der Haut, jede Anspannung, jeden Muskel, die ganze Lebendigkeit und Kraft des Pferdes - und das war für mich als hätte ich nicht nur meinen besten Freund, sondern meinen ganz persönlichen Bodyguard dabei.
Ich atmete erleichtert ein, legte ich den Strick auf den Hals, ließ die nackten Beine baumeln und so streiften wir los, das Pony und ich.
Wir wanderten durch die Natur und die rhytmische Bewegung der Ponyschultern, das gleichmäßige Arbeiten seiner Rückenmuskeln, der locker im Takt der Bewegung nickende Kopf und Hals, die wippende Mähne – das alles ließ jegliche Anspannung des Tages von mir abfallen.
Wir hingen unseren Gedanken nach, sogen dabei den Duft von frischem Heu ein und beobachteten die Rehe in den goldenen Feldern, deren Fell in der Abendsonne rötlich leuchtete.
Wenn schließlich die Kühle aus den Wiesen aufstieg und es dunkel wurde legten wir auf dem Rückweg meist einen schnellen Galopp ein und kamen mit roten Wangen, befreit (ich) und zufrieden schnaubend (das Pony) am Stall an, wo ich mich ausgiebig für den Ritt, seinen Trost und seine Hilfe bedankte, ihm das Halfter wieder abnahm, einen Apfel zu seinem Hafer in die Krippe legte und zusah, wie er diesen voller Begeisterung zerbiss, den Apfelmatsch mit dem Hafer vermischte und alles bis auf das letzte noch so kleine Körnchen vertilgte.
Jedes Mal wieder fragte ich mich, wie er ein einzelnes, halbes Haferkorn in der Krippe aufspüren und essen konnte, wenn er doch vor seiner Nase gar nichts sah - und war voller Ehrfurcht für die Feinheit des Pferdes.

Nach so einem Ritt klebten meine Shorts an meinem Hintern, Pferdeschweiß und Staub bildeten eine schwarz-braune Kruste auf meinen Beinen, dicht durchsetzt mit weißen Ponyhaaren, welche mir hartnäckig in die Haut stachen bis ich die ganze Schicht unter der Dusche mit einer ziemlich harten Bürste abschrubbte.
Selbstverständlich kam es auch auf solchen Bummelritten vor, dass ich mich unfreiwillig von meinem Pony (oder Pferd) trennte - fast immer weil es sich erschrak und ich darauf nicht gefasst war, aber das gehörte ganz einfach zum Reiten und war nicht mehr als ein Fehler, aus dem ich zu lernen versuchte.
- Das Pferd noch besser lesen können, noch besser vorausschauen, besser zuhören, besser vorbereitet sein.
Pferde erschrecken sich nun einmal. Es ist nicht ihr Fehler, es ist ihre Natur.
Und es ist die Aufgabe des Reiters, damit zurecht zu kommen. Der Reiter hat Rücksicht auf das Pferd zu nehmen, nicht anders herum.
Das war einfach vollkommen selbstverständlich.
Abflüge und pieksende Pferdehaare an Beinen und Hintern hin oder her: nichts auf der Welt hätte mir das einzigartige Gefühl von Glück und Freiheit kaputtmachen können, welches ein einziger solcher Ritt für Wochen in mir zurückließ.

Heute lassen die bereits beim Aussteigen aus dem Auto mit Sicherheitshelm und Weste ausgestatteten, vollkommen eingeengten und verängstigten Kinder schon die Möhre fallen, wenn ein Pferd nur vorsichtig seinen Hals danach ausstreckt - und zwar weil die Eltern ihnen permanent den Eindruck vermitteln (nicht nur durch die ganze Schutzkleidung, auch durch ständiges "pass auf!" "nicht dass der dich beißt" "vorsichtig!!!"), Pferde seien gefährliche Bestien.
Und Reiten daher nur dann möglich, wenn man das Pferd kontrolliert.
Nur wenig ältere Kinder reißen ihren Ponys daher im Maul herum „damit der nicht durchgeht“ und ziehen ... Sehen Sie mehr

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